Wechsel

Steuerfachangestellte: Kanzlei oder Unternehmen?

Das Wichtigste in Kürze

Der Wechsel aus der Kanzlei ins Unternehmen ist kein Aufstieg und kein Abstieg, sondern ein Tausch. Sie geben Mandantenvielfalt und fachliche Breite ab und bekommen dafür Tiefe in einem Geschäftsmodell, einen planbareren Jahresverlauf und in vielen Fällen ein höheres Gehalt. Ob sich dieser Tausch für Sie lohnt, entscheidet weniger die Gehaltstabelle als die Frage, was Sie an Ihrer Arbeit eigentlich mögen. Wer die Abwechslung zwischen vierzig Mandanten schätzt, vermisst im Unternehmen etwas, das kein Gehaltssprung ersetzt.

  • Die Gehaltsspannen im Raum Köln liegen bei 42.000 bis 55.000 für Steuerfachangestellte, 52.000 bis 68.000 für Steuerfachwirte, 58.000 bis 78.000 für Steuerreferenten und 72.000 bis 98.000 für Tax Manager. Quelle: HIREOS-Mandatsdaten Nordrhein-Westfalen, Schwerpunkt Rheinland, Stand August 2026.
  • Der größte Alltagsunterschied ist nicht die Arbeitszeit, sondern der Taktgeber: In der Kanzlei taktet die Frist, im Unternehmen der Abschlusszyklus.
  • Für den direkten Einstieg als Steuerreferent erwarten die meisten Unternehmen den Steuerfachwirt oder mehrere Jahre eigenverantwortliche Erklärungs- und Abschlusspraxis.
  • Verloren gehen in der Regel drei Dinge: der direkte Mandantenkontakt, die fachliche Breite über viele Rechtsformen hinweg und häufig der vertraute Titel.
  • Bleiben ist die richtige Entscheidung, wenn Sie den Mandantenkontakt als Kern Ihrer Arbeit empfinden und Ihre Kanzlei Ihnen einen Weg über den Steuerfachwirt oder das Steuerberaterexamen offenhält.

Soll ich als Steuerfachangestellter in der Kanzlei bleiben oder ins Unternehmen wechseln?

Es gibt auf diese Frage keine allgemeingültige Antwort, aber es gibt eine gute Reihenfolge, in der man sie beantwortet. Klären Sie zuerst, was Sie stört. Ist es die Saison, die Vergütung, der fehlende Entwicklungsweg oder die Art der Arbeit selbst? Nur der letzte Punkt spricht zwingend für den Wechsel ins Unternehmen. Die ersten drei lassen sich oft auch in einer anderen Kanzlei lösen, und das ist der kleinere Schritt.

In der Praxis sehe ich drei Muster. Wer wechselt, weil er ein Thema zu Ende denken will, kommt im Unternehmen an. Wer wechselt, weil er weniger arbeiten will, wird enttäuscht, denn auch im Unternehmen gibt es Spitzen. Und wer wechselt, weil er sich nicht gesehen fühlt, löst damit ein Führungsproblem und kein Berufsproblem.

Was Sie bei dieser Entscheidung im Rücken haben: Ihre Qualifikation ist knapp, und das ist keine Vermutung aus der Beratungspraxis, sondern amtlich ausgewiesen. Die Berufe in der Steuerberatung erreichen in der Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit einen Engpasswert von 2,3 und liegen damit über der Schwelle von 2,0, ab der ein Beruf als Engpassberuf gilt (Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2024, Tabelle 9, Bezugsjahr 2024). Auf Fachkraftebene stehen einer Fachkräftelücke von 4.855 Personen 6.911 offene Stellen gegenüber, eine Stellenüberhangsquote von 70,3 Prozent (IW Köln/KOFA, Fachkräftereport März 2026). Sie entscheiden diese Frage also nicht aus einer Position der Schwäche, sondern aus einer Lage, in der beide Seiten um Sie werben.

Was sich im Alltag konkret ändert

Der auffälligste Unterschied ist die Zahl der Fälle. In der Kanzlei betreuen Sie viele Mandanten mit unterschiedlichen Rechtsformen und Branchen. Sie springen zwischen einem Einzelunternehmer, einer GmbH und einer Holding und werden dabei zwangsläufig zum Generalisten. Im Unternehmen haben Sie einen Fall, den dafür vollständig: die Gesellschaften, die Systeme und die Menschen dahinter. Das ist für viele der eigentliche Reiz.

Der zweite Unterschied ist der Taktgeber. Kanzleiarbeit ist fristgetrieben und damit von außen bestimmt. Unternehmensarbeit ist abschlussgetrieben: Monatsabschluss, Quartal, Jahresabschluss, Betriebsprüfung. Das ist nicht ruhiger, aber planbarer, weil die Termine über Jahre gleich liegen.

Der dritte Unterschied betrifft die Zusammenarbeit. In der Kanzlei arbeiten Sie überwiegend mit Fachkollegen, im Unternehmen sitzen Sie zwischen Buchhaltung, Controlling, IT und Geschäftsführung. Ein guter Teil Ihrer Arbeit besteht darin, steuerliche Sachverhalte für Menschen ohne Steuerausbildung verständlich zu machen. Wer lieber im Fall bleibt, empfindet das als Reibungsverlust.

Zu den Überstunden: Beide Seiten kennen Belastungsspitzen. In der Kanzlei liegen sie in der Erklärungs- und Abschlusssaison und treffen alle gleichzeitig. Im Unternehmen liegen sie um die Abschlusstermine und um Sonderthemen wie eine Betriebsprüfung. Fragen Sie im Gespräch nicht, ob es Überstunden gibt, sondern wann sie liegen und wie sie ausgeglichen werden.

Was der Wechsel für das Gehalt bedeutet

Der Wechsel ins Unternehmen bringt in der Regel dann mehr Geld, wenn er mit einem Rollenwechsel verbunden ist. Ein Steuerfachangestellter, der eine gleichartige Tätigkeit im Unternehmen übernimmt, landet häufig im gleichen Band. Der Sprung entsteht durch die nächste Stufe: vom Steuerfachwirt zum Steuerreferenten, vom Steuerreferenten zum Tax Manager.

Rolle Spanne Brutto pro Jahr Typischer Hintergrund
Steuerfachangestellter 42.000 – 55.000 Ausbildung, laufende Buchhaltung und Erklärungen
Steuerfachwirt 52.000 – 68.000 Fortbildung plus eigenverantwortliche Mandate
Steuerreferent 58.000 – 78.000 Steuerfachwirt oder mehrjährige Kanzleipraxis, erste Konzernberührung
Tax Manager 72.000 – 98.000 Steuerberaterexamen oder langjährige Praxis, Führung oder Themenverantwortung

Quelle: HIREOS-Mandatsdaten Nordrhein-Westfalen, Schwerpunkt Rheinland, Stand August 2026. Es sind Orientierungswerte. Wo Sie in der Spanne landen, hängt an Unternehmensgröße, Branche, Konzernanbindung und daran, wie viel Verantwortung Sie tatsächlich übernehmen.

Dass der Verhandlungsspielraum in den oberen Bändern eher größer geworden ist, zeigt die Entwicklung auf Expertenebene: Bei Experten in der Steuerberatung ist die Fachkräftelücke gegenüber 2024 um 26,7 Prozent gestiegen, einer der stärksten Anstiege überhaupt (IW Köln/KOFA, Jahresrückblick 2025, Jahresdurchschnitt 2025). Für Sie heißt das vor allem: Ein Gespräch über Ihre Vergütung ist im Moment kein schlechter Zeitpunkt, unabhängig davon, ob Sie bleiben oder wechseln.

Zwei Punkte werden oft übersehen. Erstens ist das Grundgehalt im Unternehmen häufiger Teil eines Pakets aus variablem Anteil, Altersvorsorge und geregelter Arbeitszeit. Rechnen Sie das mit, bevor Sie zwei Zahlen vergleichen. Zweitens verläuft die Kurve unterschiedlich: In der Kanzlei steigt sie sprunghaft mit Abschlüssen und Examen, im Unternehmen stufenweise mit Rollen und Verantwortung. Die Bänder der angrenzenden Berufsbilder finden Sie in unseren Ressourcen.

Welche Rolle im Unternehmen passt zu welchem Kanzlei-Hintergrund?

Die häufigste Fehlbewerbung ist die zu hohe. Wer zehn Jahre Erklärungen und Jahresabschlüsse für Mittelständler gemacht hat, ist damit noch kein Tax Manager im Konzern, weil dort Konsolidierung und interne Abstimmung dominieren. Umgekehrt bewerben sich viele zu niedrig und landen in einer reinen Buchhaltungsstelle, in der ihr steuerliches Wissen brachliegt.

Ihr Hintergrund Passende Rolle im Unternehmen Worauf es im Gespräch ankommt
Steuerfachangestellter, laufende Buchhaltung und Erklärungen Finanzbuchhaltung mit steuerlichem Schwerpunkt, Umsatzsteuer-Sachbearbeitung ERP-Erfahrung, Sauberkeit im Massengeschäft
Steuerfachangestellter mit Jahresabschlüssen Bilanzbuchhaltung, Hauptbuch, Steuersachbearbeitung Abschlusssicherheit, Selbstständigkeit
Steuerfachwirt mit eigenverantwortlichen Mandaten Steuerreferent, Steuersachbearbeiter im Konzern Umgang mit mehreren Gesellschaften, Umsatzsteuer im Ausland
Steuerfachwirt oder Steuerberater mit Beratungsanteil Tax Manager, Referent Konzernsteuern Projektarbeit, Betriebsprüfung, Abstimmung mit Fachbereichen
Steuerberater mit Führungserfahrung Leitung Steuern oder Themenverantwortung Führung, Schnittstelle zur Geschäftsführung

Zwei Faktoren entscheiden über die Passung stärker als der Titel: die Unternehmensgröße und die Konzernanbindung. In einem eigentümergeführten Mittelständler ohne eigene Steuerabteilung sind Sie schnell die einzige steuerliche Ansprechperson und arbeiten eng mit dem externen Berater zusammen. In einem Konzern mit eigener Tax-Abteilung arbeiten Sie tiefer, aber enger abgegrenzt. Beides ist gute Arbeit, es sind nur zwei verschiedene Berufe. Welche Zuschnitte gerade tatsächlich besetzt werden, sehen Sie in unseren aktuellen Stellen.

Was beim Wechsel verloren geht

Über den Gewinn wird viel gesprochen, über den Verlust selten. Drei Dinge geben Sie ab, und es lohnt sich, das vorher ehrlich zu bewerten.

Erstens der Mandantenkontakt. In der Kanzlei sind Sie für Ihre Mandanten eine feste Person mit einem über Jahre gewachsenen Verhältnis. Im Unternehmen haben Sie interne Ansprechpartner, und die Beziehung ist eine andere. Wer aus der Beratung heraus Anerkennung zieht, spürt diesen Verlust deutlich.

Zweitens die Breite. Nach drei Jahren im Unternehmen kennen Sie ein Geschäftsmodell sehr gut und viele andere gar nicht mehr. Das ist der eigentliche Preis der Tiefe, und er wird erst spät fällig, meist dann, wenn man wieder wechseln will.

Drittens der Titel und oft die Sichtbarkeit. Aus einer Position mit klarer Berufsbezeichnung wird eine Rolle in einer größeren Struktur, in der Ihr Beitrag weniger direkt zurechenbar ist. Für manche ist das eine Entlastung, für andere ein Verlust. Besser, man weiß es vorher.

Woran Sie merken, dass Sie in der Kanzlei richtig aufgehoben sind

Es gibt gute Gründe zu bleiben, und sie werden selten ausgesprochen. Bleiben Sie, wenn der Mandantenkontakt für Sie den Kern der Arbeit ausmacht und nicht das Beiwerk. Bleiben Sie, wenn Sie den Wechsel zwischen unterschiedlichen Fällen als Abwechslung und nicht als Zerrissenheit erleben. Bleiben Sie, wenn Ihre Kanzlei Ihnen einen Entwicklungsweg über den Steuerfachwirt oder das Examen tatsächlich offenhält und ihn nicht nur in Aussicht stellt.

Ein guter Test ist die Frage nach der Saison. Wenn Sie im Rückblick sagen, sie war anstrengend, aber ich mochte, was ich getan habe, dann ist Ihr Thema die Belastung und nicht der Beruf. Dann ist eine besser organisierte Kanzlei der sinnvollere Schritt. Wenn Sie dagegen sagen, es interessiert mich nicht mehr, dann geht es um den Inhalt, und dann lohnt sich der Blick ins Unternehmen.

Oft übersehen wird ein dritter Weg: der Wechsel in eine spezialisierte Kanzlei mit Schwerpunkt auf einer Branche oder auf Umstrukturierungen. Das bringt Tiefe, ohne den Mandantenkontakt aufzugeben.

Wie HIREOS dabei hilft

Für Kandidaten ist die Vermittlung über HIREOS kostenfrei. Der Wert liegt nicht darin, Ihnen Stellenanzeigen weiterzuleiten, sondern in der Einschätzung, welches Umfeld zu Ihrem Profil passt: Branche, ERP-System, Unternehmensgröße, Teamstruktur und die Frage, ob es dort eine eigene Steuerabteilung gibt. Genau dieses Matching fehlt, wenn man sich selbst auf Anzeigen bewirbt, denn der tatsächliche Zuschnitt einer Stelle geht aus einer Anzeige fast nie hervor.

Wir betreuen maximal sieben Mandate gleichzeitig. Deshalb kennen wir die Unternehmen in Nordrhein-Westfalen persönlich und können Ihnen sagen, wie dort tatsächlich gearbeitet wird. Von über 400 Besetzungen in mehr als zehn Jahren sind 93 Prozent der vermittelten Kandidaten nach zwölf Monaten noch im Unternehmen. Was Sie als Kandidat erwarten können, steht auf der Seite für Kandidaten.

Was Sie jetzt tun können

  1. Schreiben Sie in drei Sätzen auf, was Sie an Ihrer jetzigen Stelle stört. Prüfen Sie, ob es die Belastung, die Vergütung, der Entwicklungsweg oder der Inhalt ist. Nur der Inhalt spricht zwingend für den Seitenwechsel.
  2. Ordnen Sie sich in die Gehaltstabelle oben ein und prüfen Sie, ob Ihr aktuelles Gehalt in der Spanne liegt. Liegt es darunter, ist ein Gespräch in der eigenen Kanzlei der erste Schritt, nicht die Bewerbung.
  3. Klären Sie, welche Qualifikation Ihnen zur nächsten Stufe fehlt. Der Steuerfachwirt ist für den Einstieg als Steuerreferent in vielen Unternehmen der entscheidende Nachweis.
  4. Sehen Sie sich zwei bis drei konkrete Rollen an, statt allgemein zu suchen. Eine Übersicht der Berufsbilder finden Sie unter Positionen.
  5. Sprechen Sie über den Zuschnitt, bevor Sie sich bewerben. Ein kurzes Gespräch über Kontakt spart oft mehrere Bewerbungen, die von vornherein nicht gepasst hätten.

Häufige Fragen

Verdient man als Steuerfachangestellter im Unternehmen mehr als in der Kanzlei? Nicht automatisch. Bei gleicher Tätigkeit liegen beide Seiten meist im selben Band von 42.000 bis 55.000. Der Sprung entsteht durch die Rolle: Als Steuerreferent liegt die Spanne bei 58.000 bis 78.000, als Tax Manager bei 72.000 bis 98.000. Quelle: HIREOS-Mandatsdaten Nordrhein-Westfalen, Schwerpunkt Rheinland, Stand August 2026.

Brauche ich für den Wechsel ins Unternehmen den Steuerfachwirt? Für Buchhaltungs- und Sachbearbeitungsrollen nicht. Für den Einstieg als Steuerreferent erwarten die meisten Unternehmen entweder den Steuerfachwirt oder mehrere Jahre eigenverantwortliche Mandatsbetreuung mit Abschlüssen. Der Steuerfachwirt liegt bei 52.000 bis 68.000 und ist damit auch in der Kanzlei die naheliegende nächste Stufe. Quelle: HIREOS-Mandatsdaten Nordrhein-Westfalen, Schwerpunkt Rheinland, Stand August 2026.

Kann ich später aus dem Unternehmen wieder in eine Kanzlei zurück? Ja, aber es wird mit den Jahren schwerer. Nach zwei bis drei Jahren im Unternehmen ist die Rückkehr meist unproblematisch. Nach zehn Jahren fehlt die Breite über viele Mandate und Rechtsformen hinweg, und die Kanzlei muss stärker investieren. Wer sich die Option offenhalten will, sollte den Schritt eher früh gehen.

Arbeitet man im Unternehmen wirklich weniger als in der Kanzlei? Meist nicht weniger, aber anders verteilt. Die Kanzleisaison trifft alle gleichzeitig, im Unternehmen liegen die Spitzen um die Abschlusstermine und um Sonderthemen wie eine Betriebsprüfung. Fragen Sie im Vorstellungsgespräch nicht, ob es Überstunden gibt, sondern wann sie anfallen und wie sie ausgeglichen werden.

Was ist der Unterschied zwischen Steuerreferent und Tax Manager? Der Steuerreferent bearbeitet steuerliche Themen fachlich, oft für mehrere Gesellschaften, mit einer Spanne von 58.000 bis 78.000. Der Tax Manager trägt Themen- oder Führungsverantwortung, steuert die Abstimmung mit Fachbereichen und externen Beratern und liegt bei 72.000 bis 98.000. Quelle: HIREOS-Mandatsdaten Nordrhein-Westfalen, Schwerpunkt Rheinland, Stand August 2026.

Lohnt sich der Wechsel in eine andere Kanzlei statt ins Unternehmen? Häufig ja. Wenn Belastung, Vergütung oder Führung der Grund sind, löst eine andere Kanzlei das Problem oft ebenso gut und kostet Sie weder Mandantenkontakt noch fachliche Breite. Der Wechsel ins Unternehmen lohnt sich vor allem dann, wenn Sie den Inhalt der Kanzleiarbeit selbst nicht mehr wollen.

Über den Autor Muhammed Ali Erkan ist Recruiting-Experte für Finanz- und Rechnungswesen und führt HIREOS, eine Personalberatung für Finanz- und Rechnungswesen in Nordrhein-Westfalen. Über 10 Jahre im Finance-Recruiting mit über 400 Besetzungen im Finanz- und Rechnungswesen. LinkedIn

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